Luxstainability – Kann Luxus und Nachhaltigkeit als Symbiose funktionieren?

– ein Blog von Suzann Heinemann, CEO GreenSign Institut

Wenn man die Begriffe Luxus und Nachhaltigkeit gemeinsam betrachtet, kommt oft die Frage auf, wie das zusammenpassen kann. „Luxstainability“ – eine Wortzusammenfassung aus Luxus und Sustainability (englisch für Nachhaltigkeit) beschreibt dieses zunächst widersprüchlich erscheinende Thema. Wie umweltfreundlich kann ein Luxushotel wirtschaften, wenn der Komfort nicht zu kurz kommen darf? Tägliche Zimmerreinigung, ein großer Poolbereich, gefüllte Minibars, kreative Speisen, mondäne Ausstattung und ausgedehnte Räumlichkeiten zeichnen oft die Nobelherbergen dieser Welt aus und entsprechen augenscheinlich zunächst nicht den nachhaltigen Ansprüchen der Gäste. So hinterfragen immer mehr von ihnen, ob Komfort und der Green-Lifestyle überhaupt einhergehen können.

Der „Mindful Luxury“ Gedanke bedeutet, den Gästen die gewohnten Vorzüge zu bieten und dabei die Nachhaltigkeit nach innen und außen zu leben und zu kommunizieren. Dass dies sehr gut funktioniert, zeigen bereits viele Luxushotels, welche die Nachhaltigkeit konsequent in ihre Unternehmensphilosophie eingebunden haben und dies transparent mit Zertifizierungen, wie dem GreenSign, nach außen zeigen. Wer es schafft, seiner Kundschaft ein nachhaltiges Erlebnis mit Einbezug von Natur, Regionalität und Kultur zu bieten, wird langfristig erfolgreicher sein. Zu dieser Überzeugung gelange ich allein schon, wenn ich mir die geänderten Gästebedürfnisse in Bezug auf die eigene Gesundheit, Erlebnisse in der Natur und bewusstere Konsumentscheidungen anschaue. Die Menschen sind heute eher bereit, gesamtheitlich auf die Welt zu blicken, diese verantwortlich mitzugestalten und sich aktiv für einen erforderlichen Wandel einzusetzen.

Infinitypool in den Bergen
Restaurant mit Terrasse und Bergpanorama
Sauna mit Panoramafenster und Blick auf das Bergland

Im Jahr 2022 muss ein dem Zeitgeist entsprechender Luxus immer auch nachhaltiges Denken und Handeln beinhalten. Achtsamkeit und Klimaschutz schließen Luxus nicht aus, vielmehr ergänzen sich diese Dinge, und ein qualitativ hochwertiges Hotel kommt ohne Nachhaltigkeit künftig nicht mehr aus, davon bin ich absolut überzeugt. Dabei ist nachhaltiges Agieren in der Nobelhotellerie tatsächlich nicht schwer umzusetzen. Es bedarf einem engagierten Hotelier, der es schafft, sein gesamtes Team in die Nachhaltigkeit mit einzubeziehen, sowie einiger Prozessumstellungen, die oft sogar Kosteneinsparungen oder Arbeitserleichterungen mit sich ziehen. Nachhaltigkeit ist so viel mehr als nur Ressourcenschonung oder Umweltliebe und muss nicht immer Verzicht bedeuten. Qualität, Integrität und Ansehen können mit einem nachhaltigen Hotelkonzept und einfachen Mitteln gesteigert werden.

Urlauber wollen die Gegend, in die sie verreisen mit allen Sinnen kennenlernen. Wer in der Küche lokale und saisonale Zutaten einsetzt und seinen Gästen mit der Ausgestaltung seiner Gerichte ein regionales Geschmackserlebnis bietet, wird eher in Erinnerung bleiben und kann mit Frische, Qualität und Authentizität punkten. Dasselbe Prinzip funktioniert auch mit dem Hotel-Design. Wer regionale Künstler, Innenausstatter und Konstrukteure fördert und mit in das Designkonzept einbezieht, kann ein echtes und individuelles Ambiente errichten, welches einzigartig und unvergessen bleibt. Das Ziel sollte doch sein, nicht nur das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und regeneratives Reisen zu schaffen, sondern auch die eigene Region als touristische Destination auf neue Ebenen zu heben.

Dabei sind viele Maßnahmen, die ein Luxushotel umsetzt, um Dinge hochwertig zu präsentieren, bereits oft sehr nachhaltig. Ich denke da zum Beispiel an den vollautomatischen Butterspender anstelle von unschönen Plastikverpackungen. Oder der Verzicht auf das pompöse Frühstücksbuffet und dafür die liebevoll dekorierte Etagere, die bei Bedarf nachgefüllt werden kann. Wer die Eierspeisen individuell abfragt und nur das zubereitet, was auch wirklich verzehrt wird, anstelle große Rührei-Rechauds vorzubereiten, spart Lebensmittel und reduziert Abfall. Das ist nicht nur Luxus, sondern auch Nachhaltigkeit. Ein Kaffee aus frisch gerösteten, fair gehandelten Bohnen, ein No-Waste Frühstück mit selbst hergestellten Marmeladen oder die Naturkosmetik-Linie im Wellnessbereich lassen sich viel attraktiver anbieten, als gewöhnliche Produkte. Ein frisch aufgepolstertes und neu lackiertes Sitzmöbelstück steht einem Neukauf in nichts nach und wird vom Gast wohl nicht anders wahrgenommen, als ein neu Erworbenes. Schließlich ist unser Verständnis von Luxus eher subjektiv und hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Werte wie Gesundheit, Freiheit, Individualität und Klimaschutz treten immer mehr in den Vordergrund und die Hotellerie muss sich daran anpassen. Ein besonders interessanter Lebensstil ist aktuell das „LOHAS“ (Lifestyle of Health and Sustainability) – Phänomen. Darin verbindet sich ein Gesundheits- und Nachhaltigkeitsbewusstsein mit einem ausgeprägten Genussstreben, eine große Markenaffinität und einer hohen Kaufbereitschaft. Diese Zielgruppe gilt es nun zu gewinnen.

Wir können uns glücklich schätzen, dass wir in einer Zeit leben, in der die Digitalisierung es schafft, Prozesse zu vereinfachen und dabei Ressourcen zu sparen. Ist der Ausdruck einer Bestätigung oder Rechnung luxuriöser, als eine Zusendung per eMail oder per App? Auch kann eine Möglichkeit für Gäste, ihren Aufenthalt auf Wunsch klimaneutral zu kompensieren, digital leicht umgesetzt werden, was einen zusätzlichen Mehrwert darstellt.

Zimmerfrau schüttelt Kissen eines Hotelbetts auf
Hotelgast liegt im Bett und schaut aus dem Panoramafenster mit Blick auf das Meer
Zimmerfrühstück auf einem Tablettwagen

Mit Motivation und Kreativität lassen sich durch klug eingesetzte Kreislaufwirtschaft oder raffiniertes Upcycling nicht nur Kosten senken oder die Umwelt schonen, sondern auch bemerkenswerte grüne Eigenarten schaffen. Dabei denke ich an Beispiele, wie edel gestaltete Kerzengläser aus benutzten Weinflaschen oder stylische Zimmer-Accessoires aus diversen aufgearbeiteten Elementen. Und das möchte die Luxushotellerie doch auch – sich mit einem einzigartigen Charakter unvergessen machen. Sie möchte Geschichten erzählen, damit überall von ihr berichtet wird und eine Art „Place to be“ – Image geschaffen wird. Wer kann dabei besser unterstützen, als die Nachhaltigkeit, mit der sich heute so tolles, ehrliches Storytelling kreieren lässt.

Neben Ausstattung und Ambiente ist doch der größte Garant für Servicequalität und Wohlbefinden auf höchstem Niveau immer noch der Mensch. Eine zuvorkommende Bewirtung mit einem freundlichen Lächeln, eine kompetente Beratung oder ein aufmerksamer und professioneller Umgang als Gastgeber sind viel mehr wert, als eine prunkvolle Anlage. Bekanntermaßen ist der Service auch das, was ein Luxushotel zu einem solchen macht und was der Gast am Ehesten erwartet. Zugleich ist es auch das, was eigentlich am besten umzusetzen ist, wenn ein motiviertes Team hinter dem Hotelkonzept steht. Auch hier hat die Nachhaltigkeit einen besonders großen Einfluss, denn sie ermöglicht eine Steigerung der Mitarbeitermotivation sowie -loyalität sowie einen langfristigen Wettbewerbsvorteil am Arbeitsmarkt.

Luxstainability ist also bereits ein Trend, der bleibt und das ist beruhigend. Ich wünsche mir, dass immer mehr Luxushotels einen Bewusstseinswandel durchleben und ihr meist höheres Budget für neue, nachhaltige Konzepte einsetzen, damit das Reisen, in egal welchem Segment, weiterhin ein persönliches Vergnügen im Einklang mit Natur und Umwelt bietet. Der Tourismus kann unserem Klima großen Schaden zufügen, aber wiederum mit nachhaltigen Lösungen auch viel bewirken und erhalten. Ich kämpfe täglich dafür, der Hotellerie einen „kleinen Stupser“ in die richtige – grüne – Richtung zu geben.

Lasst uns gemeinsam unseren Gästen ein ganzheitlich nachhaltiges und gerne auch zugleich luxuriöses Aufenthalts-Erlebnis bieten!

Suzann Heinemann

Best Practise Beispiele von Nobelhotels mit der Nachhaltigkeitszertifizierung GreenSign:

Hotelasicht vom Keemala Resort in Thailand
Hotelansicht vom Hotel Orania in Berlin
Hotelansicht vom Öschberghof in Donaueschingen
Hotel Forestis in Südtirol mit Bergpanorama der Dolomiten
Hotelansicht vom Birkenhof in Bayern
Hotelpool vom Oderberger in Berlin
Hotelansicht vom Grand Elysee in Hamburg
Hotelansicht vom Europäischen Hof in Heidelberg
Hotelansicht vom Interalpen Tyrol in Österreich